Vernissage der Abiturientia 2017

Die erste Vernissage der Abiturientia ist unter großer Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Presse und Gästen eröffnet worden. Als Vertreterin der Schulpflegschaft konnten wir Frau Kaufmann, als Vertreter der Stadt Hennef den Beigeordneten Herrn Martin Herkt begrüßen. Herzlichen Dank an Frau Dr. Stoverock, Jan Szelag, Tobias Scheer und Musikus Nils Heinen!

Dass Kunst nicht nur schön, sondern auch viel Arbeit macht – davon zeugten die künstlerischen Werke der aktuellen Abiturklasse. Bevor nach den Osterferien die Prüfungen losgingen, präsentierten die Schülerinnen und Schüler in ihrer letzten Schulwoche in ihrer Abiturausstellung Kunstwerke, die sie in den vergangenen Jahren im Leistungskurs Kunst und im Grundkurs Gestaltungslehre erarbeitet haben.

Grafik, Malerei, Plastik, Architektur – drei Jahre lang hat der Leistungskurs Kunst in den unterschiedlichsten künstlerischen Gattungen Werke gestaltet und dabei zugleich wichtige Epochen der europäischen Kunstgeschichte kennengelernt. Im Zentrum der Praxis stand das experimentelle Erlernen künstlerischer Techniken: Zeichnen mit Blei- und Buntstiften sowie Pastellkreiden, Malerei mit Acrylfarben auf Papier und Leinwand, plastisches Gestalten von großfigurigen Papierfiguren, Drucken und Frottage auf Papier sowie Modellbau und Modellbaupappe. Die kunsthistorischen, durch das Zentralabitur festgelegten, Epochen umfassten wichtige Stilrichtungen des 19. und 20. Jahrhunderts und reichten von der Romantik bis zur amerikanischen Pop Art.

Entstanden sind vielschichtige und originelle Werke, die auf äußerst kreative Weise Kunststile der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen haben. Da tummeln sich riesige Insekten aus Draht und Papier, deren überdimensionale Größe einer Idee der amerikanischen Pop Art folgt, dem „Blow Up“, mit dem Künstler Alltagsgegenstände „aufgeblasen“, d.h. in starker Vergrößerung nachbildeten haben. Leinwandgemälde mit Landschaften, deren feine Farbabstufungen eine hohe malerische Qualität zeigen, wurden von der deutschen und englischen Romantik inspiriert. Viele interessante Ein- und Durchblicke zeigen Architekturmodelle von Museumsbauten, die von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Baukunst der 1920er Jahre zeugen. Neben diesen großen Themen, deren Realisierung viele Wochen in Anspruch nahmen, werden zahlreiche Zeichnungen, Studien und Entwürfe gezeigt beispielsweise zur Kunst des Expressionismus und Futurismus.

Ergänzt werden die Werke, die in dem von Frau Dr. Stoverock betreuten Leistungskurses Kunst entstanden sind, durch graphische Arbeiten aus dem Grundkurs Gestaltungslehre, der von Herrn Ron Meier geleitet wird.

Die Ausstellung fand im Kunstraum im Erdgeschoss des Kunstkollegs statt und konnte an zwei Tagen besichtigt werden.

 

Hier auch im Wortlaut die fulminante Rede von Schüler Jan Szelag:

„Meine sehr verehrten Damen und Herren,

was Sie heute hier bestaunen dürfen, sind Meisterwerke des 21. Jahrhunderts, gefertigt von den größten künstlerischen Talenten, die dieses Land, diese Welt oder, genau genommen, diese Oberstufe zu bieten hat.

Egal wie groß und anspruchsvoll die Aufgaben schienen, diese Klasse stellte sich ihnen immer mit überragender Entschlossenheit und grenzenlosem Eifer – auf dass es wenigstens eine 4 und keine 6 werden sollte.

Angefangen mit unseren Studien zur Romantik, öffneten wir unser Kunstverständnis gegenüber der schönen Malerei des 19. Jahrhunderts, den idyllischen Motiven, den schönen Farben und der zähen, trockenen Theorie der Analyse.

Nachdem wir das melancholische Zeitalter der Romantik mit unseren eigenen malerisch inszenierten Interpretationen abgeschlossen hatten, widmeten wir uns dem Futurismus. Das Rebellische des Futurismus weckte auch unsere rebellische Ader, was jedoch unserer äußerst kompetenten Lehrkraft sofort auffiel, welche sogleich die Rebellion im Keim erstickte, indem sie uns nur bloße Bewegungsstudien zu diesem Thema anfertigen ließ und es sonst bei der so allseits vertrauten Theorie beließ.

Um etwas Abwechslung in die Theorie der Malerei zu bringen, beschäftigten wir uns zwischenzeitlich mit der modernen Architektur des frühen 20. Jahrhunderts und merkten schnell, dass diese ihrer Zeit weit voraus war. Um also unsere Begeisterung für die Architektur zum Ausdruck zu bringen, bestanden wir darauf, dass wir selbst ein kleines Modell eines Museums anfertigen sollten. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten, welche eigentlich niemals wirklich überwunden wurden, sondern eher als stetige Begleiter mit an diesem Projekt arbeiteten, schafften wir es schlussendlich, unsere Museen fertigzustellen.

Doch nicht nur praktische Arbeiten zur Architektur wurden im Laufe unseres Kunstunterrichts angefertigt, auch Insektenstudien wurden in Form von Zeitungspapier, weißer Farbe und einer riesen Menge an Klebstoff zum Leben erweckt.

Nachdem wir nun unserer Leidenschaft zur dreidimensionalen Kunst Form verliehen hatten, gingen wir über die farbenfrohe Malerei des Expressionismus und die neuen Formen und Facetten des Kubismus über zum Surrealismus. Durch den Surrealismus war es uns endlich möglich, das zu tun, was wir am besten konnten: wild mit zufälligen Dingen und Farben Strukturen und Formen auf ein Bild zu schmieren und es am Ende als gewolltes Motiv zu präsentieren. So kam es, dass auch gerne das verschüttete Wasser, welches die Hälfte des Bildes verschmierte, kurzer Hand zur beabsichtigten Darstellung der Lichtverhältnisse genutzt wurde. Doch nicht nur im Kunstunterricht, auch in Gestaltungslehre brachte diese Klasse einige passable Bilder zustande, welche nun extra zum Zwecke dieser Ausstellung aus den Schulfluren, unserem internen Walk of Fame (naja zumindest dann, wenn keiner der anderen Schüler seine Sachen so schnell eingepackt hat wie man selbst und man noch grade im Flur wartet, da die Klasse zu überlaufen ist), entfernt wurden.

Schlussendlich lässt sich jedoch sagen, dass wir alle in diesen drei Jahren Kunstunterricht sehr viel dazu gelernt haben und nun mit einem wesentlich besseren Verständnis für Kunst von dieser Schule abtreten werden, als wir angetreten sind.“